Einmal die Stadtmauer entlang
Nov 28th, 2010 by attila
Der beste Ausgangspunkt für einen Spaziergang rund um die Stadt ist natürlich eines der beiden Stadttore. Auf dem Spaziergang kann man sich eigentlich nicht verlaufen. Und auch wer keinen Reiseführer bei der Hand hat: Infotafeln des Heimatvereins und des AG Historische Stadtkerne versorgen mit den nötigen Informationen.

Berliner Tor
An einem sonnigen Spätherbstnachmittag haben wir uns für das Berliner Tor entschieden und gehen am 18 Meter hohen Torturm vorbei nach rechts. Hier findet sich auch der beeindruckendste Teil der Altlandsberger Stadtmauer: Linkerhand die hoch aufragende Mauer, rechter Hand ein Graben, der jedoch erst im 17. Jahrhundert entstand. Wie es sich bei einer “echten” Stadtmauer gehört, standen hier auch so genannte Wiekhäuser, Häuser, die sich an die Innenseite der Mauer lehnen, die damit an einer Seite die Hauswand bildete.

Standort der Walkmühle
Der Weg führt zunächst geradeaus bis zu einer Art Ecke. Hier befand sich früher einmal eine Walkmühle. Walkmühlen wurden für die Tuchherstellung verwendet und dazu nutzte man die Wasserkraft. An der “Ecke” befindet sich ein Pförtchen, durch das man unbedingt kurz in die Stadt hineinschauen sollte. Hier sieht man auf einen freien Platz, der zum Teil einmal auch von Häusern eingenommen wurde. Ein Blick nach rechts zeigt jedoch die großen Grundstücke, die zwischen den Häusern der Stadt und der Mauer lagen.
Am nächsten Wegabschnitt wurde der ursprüngliche Stadtgraben verfüllt. Hier fließt heute ein Bach. Ein rechts davon neu angelegter Weg lässt die Wahl, ob man rechts oder links daran entlang gehen möchte. Die Stadtmauer wurde 2002 auch an dieser Stelle saniert. Dabei sind besonders viele Bauphasen entdeckt worden. Nicht zuletzt im 19. Jahrhundert reparierten die Anwohner die Mauer und schufen unter anderem die vielen Pforten, die den Weg nach “draußen” natürlich erheblich abkürzten.
Der feldartige Erlenbruchwald auf der rechten zeigt noch heute, dass Bruchwälder in der früheren Jahrhunderten regelmäßig “abgeerntet” wurden – zur Holzgewinnung.

Blick auf das Scheunenviertel
Am Ende des Bruchwaldes hat man den Ausblick auf das Altlandsberger Scheuenviertel, das sich an drei Straßen in Richtung der Nachbarorte ausdehnt. Etwas weiter sollte man den Mauerweg kurz verlassen und um den Gebäudekomplex rechter Hand herumgehen. Man befindet sich dann auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände. Der gelbe Klinkerbau ist jedoch nicht, wie man annehmen könnte, ein Bahnhofsgebäude, sondern zunächst Elektrizitätswerk, später Fabrik. Heute befindet sich darin eine Kunstwerkstatt mit Galerie, die “KulturManufaktur”. Das Bahnhofsgebäude befand sich auf dem Gelände des Parkplatzes davor.

KulturManufaktur im ehemaligen Elektrizitätswerk
Geht man nun weiter, gelangt man zur Strausberger Straße und dem Strausberger Tor. Im sogenannten Storchenturm befand sich einmal das örtliche Gefängnis. Wie am Berliner Tor wurde auch hier das eigentliche Torgebäude Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. Wenige Meter weiter befindet sich das ehemalige Armenhaus der Stadt. Es wurde von den Betreibern der gleichnamigen Lokalität in traurigem Zustand übernommen und aufwändig saniert.
Die Stadtmauer im nächsten Abschnitt war mit etwa 5 Metern ursprünglich höher, als es heute scheint. Jedoch haben Verfall und langsamer “Steinverlust” eine Restaurierung in originaler Höhe sehr erschwert, sie wurde daher bei der Sanierung vereinheitlicht. Auch an dieser Stelle wurden, nachdem der Stadtgraben zugeschüttet war, Pforten angelegt. Dort wo die Mauer endet, bog sie eigentlich nach links ab. Der Spaziergänger muss jedoch den Weg ein Stück weiter gehen und gelangt so zur Bernauer Straße.

Gutshaus
Blickt man nun in Richtung Stadt, sieht man auf das ehemalige Gutsgelände. Das Gutshaus wurde 1882 für den damaligen Domänenpächter errichtet. Bis zu einem Brand 1757 befand sich auf dem Gelände eine mehrflügelige barocke Schlossanlagen, die dabei vollständig vernichtet wurde. Wo stadteinwärts rechts die ersten Häuser beginnen, befand sich das dritte Stadttor, das nicht mehr vorhandene Bernauer Tor.
Man betritt das Gutsgelände am besten durch ein Tor, das man rechts vom Gutshaus findet. Die Torpfeiler tragen die Nachbildungen von zwei historischen Löwen, je 1,25 Meter hoch und 300 kg schwer, die 1930 und 1947 verschwanden. Das gesamte Schloss- und spätere Domänen- und Gutsgelände war bis 1928 eine eigenständige Gemeinde und gehörte nicht zu Altlandsberg. Durch das Tor erreichte man bis zu seiner Zerstörung den Nordflügel des Schlosses. Die Gebäude rechts gehörten zum Wirtschaftshof des Schlosses. Sie bilden den Hintergrund für jährlich stattfindende Mittelalter-Feste.
Halbrechts sind gesicherte Fundament- und Gewölbereste zu erkennen. Sie gehörten zum Nordflügel des Schlosses. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei dem Gebäude linker Hand um das ehemalige Gutshaus. In der DDR-Zeit teilte es das Schicksal vieler anderer Gutshäuser. Es wurde als Kinder- und später als Seniorenheim genutzt. Nach der Wende stand es viele Jahre leer, bevor es 2005 umfassend saniert und seitdem vom Internationalen Bund (IB) als soziokulturelles Zentrum betrieben wird.

Schlosskirche
Wenn man zwischen Fundamentresten und Wirtschaftshof hindurchgeht, gelangt man zur ehemaligen Schlosskirche. Sie steht am alten Platz, wurde aber nach dem Brand aus den Resten des Schlosses neu errichtet. Das Gebäude wird heute jedoch nicht mehr als Kirche genutzt, es ist Standort einer Kunstglaserei. Bei den drei Sandsteinportalen handelt es sich um die letzten Originalbestandteile des Schlosses.
Hinter des Schlosskirche kann man rechts einen Blick in den ehemaligen Schlosspark, links auf den Kirchplatz und die Stadtkirche werfen. Hier soll sich vor der Stadtgründung das Wendendorf Jabel befunden haben.
Den weiteren Verlauf der Stadtmauer findet man, wenn man am letzten Haus rechts hinunter geht. Nach dem Verfüllen des Stadtgrabens entstand hier eine Promenade, die “Kirschallee”, von der jedoch kaum noch Bäume erhalten sind.

Die ehemalige Kirschallee
Die Stadt war aus dieser Richtung wohl weniger bedroht, auch die Stadtmauer macht daher einen weniger mächtigen Eindruck. Auch hier wurde sie von den Anliegern in den letzten Jahrhunderten in Eigenregie repariert. An manchen Teilen kann man daher schöne Beispiele der Feldsteinbaukunst des 19. Jahrhunderts bewundern. Ebenso wie auf der Ostseite der Stadt sind die Grundstücke zwischen Straße und Mauer sehr langgestreckt. Sollte eine Mauerpforte offen stehen, nutzen Sie die Gelegenheit, den Blick auf eine dieser grünen Oasen zu werfen!

Die Jabelwiesen westlich der Stadt
Auf dem Weg an der Stadtmauer entlang wird man auf der rechten Seite von weiten Wiesenflächen, den Jabelwiesen, begleitet. Diese wurden früher als Bleiche bei Tuchherstellung und Gerberei benutzt, wovon noch der Weg “An der Bleiche” zeugt, in den die ehemalige Kirschallee übergeht. Über diesen Weg gelangt man dann auch zurück zum Berliner Tor, wo der Spaziergang endet.